CHF 20'550 Steuerersparnis — warum die halbe Schweiz vor 2028 renovieren will
Gjenc Nikollbibaj

Gjenc Nikollbibaj

Gründer

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11. Februar 2026

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11 Min. Lesezeit

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CHF 20'550 Steuerersparnis — warum die halbe Schweiz vor 2028 renovieren will

Die Abschaffung des Eigenmietwerts löst eine Sanierungswelle aus: +8.5% mehr Renovierungen, 42'778 fehlende Handwerker und Wartezeiten von Monaten. Eine Datenanalyse.

Am 28. September 2025 hat die Schweiz mit 57.7% Ja-Stimmen die Abschaffung des Eigenmietwerts beschlossen. Ab 1. Januar 2028 fällt die Besteuerung des fiktiven Mieteinkommens weg — aber auch sämtliche Steuerabzüge für Unterhalts- und Renovationskosten. Das Ergebnis: Jeder Hauseigentümer mit einer Liegenschaft, die in den nächsten Jahren Renovationsarbeiten braucht, hat einen massiven finanziellen Anreiz, diese vor Ende 2027 durchzuführen. Wüest Partner prognostiziert ein Renovationswachstum von +8.5% allein 2026 — drei- bis viermal über dem normalen Wachstum. Gleichzeitig fehlen in der Schweiz 42'778 Handwerker (Blick/BFS). Die Folge: Wartezeiten, Preisexplosion und ein Fachkräftemangel im Baugewerbe, wie ihn die Schweiz noch nie erlebt hat. In dieser Analyse zeigen wir mit konkreten Rechenbeispielen, was die Reform für Eigenheimbesitzer bedeutet — und warum Baubetriebe jetzt rekrutieren müssen.

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Die 8 wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Eigenmietwert wird ab 1. Januar 2028 abgeschafft — aber auch alle Steuerabzüge für Unterhaltskosten
  • Übergangsphase bis Ende 2027: Letzte Chance, Renovationskosten steuerlich abzusetzen
  • Rechenbeispiel: Bei einer Dachsanierung für CHF 80'000 spart eine Familie CHF 20'550 Steuern — nur wenn sie vor 2028 renoviert
  • Wüest Partner prognostiziert +8.5% Renovierungswachstum 2026, bis zu 3-4x über Normalniveau
  • 42'778 Handwerker fehlen schweizweit — 20'000+ offene Stellen allein im Baugewerbe (BFS 2025)
  • KOF-Geschäftslageindikator Bau: +39.81 — der stärkste Wert aller Branchen
  • Schwarzarbeit könnte um CHF 450–650 Mio./Jahr zunehmen (Prof. Friedrich Schneider, Uni Linz)
  • Energetische Sanierungen verlieren doppelt: Steuerabzug UND Gebäudeprogramm-Subventionen fallen weg

Was ist der Eigenmietwert — und was ändert sich ab 2028?

Der Eigenmietwert ist ein Schweizer Unikum: Hauseigentümer, die in ihrer eigenen Liegenschaft wohnen, müssen ein fiktives Mieteinkommen versteuern. Dieses wird in der Regel auf 60–70% der Marktmiete angesetzt. Im Kanton Zürich beträgt der Eigenmietwert z.B. 3.5% des Steuerwerts bei Einfamilienhäusern und 4.25% bei Stockwerkeigentum. Im Gegenzug dürfen Eigentümer ihre Hypothekarzinsen und werterhaltende Unterhaltskosten (Renovation, Sanierung, Reparaturen) vom steuerbaren Einkommen abziehen. Alternativ steht ein Pauschalabzug von 20% des Eigenmietwerts zur Verfügung (10% bei Liegenschaften unter 10 Jahren). Ab 1. Januar 2028 fällt alles weg: - Kein Eigenmietwert mehr zu versteuern - Kein Hypothekarzinsabzug mehr (Ausnahme: Ersterwerberabzug, degressiv über 10 Jahre) - Kein Unterhaltskosten-Abzug mehr - Kein Pauschalabzug mehr - Keine Abzüge für energetische Sanierungen mehr auf Bundesebene (Kantone können Ausnahmen beschliessen) Das klingt nach einem fairen Tausch — und für die Mehrheit der Eigentümer ist es das auch. Laut Baublatt profitieren rund 82% der Hauseigentümer finanziell von der Abschaffung. Aber es gibt einen gewaltigen Haken: Wer in den nächsten Jahren renovieren muss, verliert massiv.

Rechenbeispiel: Familie Müller mit Eigenheim in Zürich

Nehmen wir eine typische Schweizer Familie: Eigenheim im Kanton Zürich, Marktwert CHF 1'000'000, Hypothek CHF 650'000 zu 2% Zins, steuerbares Einkommen CHF 150'000, Grenzsteuersatz 30%, Liegenschaft 25 Jahre alt.

Steuervergleich: Familie Müller, Eigenheim Kt. Zürich (Marktwert CHF 1'000'000)
PositionAktuelles SystemAb 2028
Eigenmietwert (3.5% × CHF 700'000)+CHF 24'500CHF 0
Hypothekarzinsabzug (2% × CHF 650'000)−CHF 13'000CHF 0
Pauschalabzug (20% × CHF 24'500)−CHF 4'900CHF 0
Netto-Effekt auf steuerbares Einkommen+CHF 6'600CHF 0
Zusätzliche Steuerbelastung (30%)~CHF 1'980/JahrCHF 0

Im Normaljahr (ohne grössere Renovation) beträgt die zusätzliche Steuerbelastung durch den Eigenmietwert rund CHF 1'980 pro Jahr. Ab 2028 fällt diese weg — ein Gewinn von CHF 1'980. Aber jetzt das entscheidende Szenario: Familie Müller braucht ein neues Dach. Kosten: CHF 80'000.

Dachsanierung CHF 80'000 — vor vs. nach der Reform (Grenzsteuersatz 30%)
PositionVor Ende 2027Ab 2028
HandwerkerkostenCHF 80'000CHF 80'000
Eigenmietwert (wird statt Pauschal verrechnet)+CHF 24'500CHF 0
Hypothekarzinsabzug−CHF 13'000CHF 0
Abzug Unterhaltskosten (effektiv)−CHF 80'000CHF 0
Netto-Steuereffekt−CHF 68'500CHF 0
Steuerersparnis (30%)CHF 20'550CHF 0
Effektive Kosten der DachsanierungCHF 59'450CHF 80'000

Die Rechnung ist brutal klar: Wer das Dach vor Ende 2027 erneuert, spart CHF 20'550 Steuern. Dieselbe Arbeit kostet nach der Reform effektiv CHF 20'550 mehr — weil der Steuerabzug komplett wegfällt. Bei einer Küchen- und Badsanierung (CHF 50'000) beträgt die Differenz rund CHF 12'850. Bei einer Gesamtsanierung (CHF 200'000) sind es CHF 51'100. Die Botschaft an jeden Eigenheimbesitzer: Jede Renovation, die in den nächsten 5 Jahren ohnehin ansteht, sollte vor dem 31. Dezember 2027 abgeschlossen werden.

Eine Dachsanierung für CHF 80'000 kostet effektiv CHF 59'450, wenn sie vor 2028 durchgeführt wird — und CHF 80'000 danach. Die Differenz von CHF 20'550 ist der stärkste finanzielle Anreiz, den der Schweizer Immobilienmarkt seit Jahrzehnten kennt.

Renovieren vor 2028 vs. nach 2028

Vor Ende 2027

  • Renovationskosten vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar
  • Energetische Sanierungen zusätzlich subventioniert (Gebäudeprogramm)
  • Effektive Kostenersparnis 20–30% (je nach Grenzsteuersatz)
  • Pauschalabzug 20% steht alternativ zur Verfügung
  • Handwerker-Preise steigen durch Nachfrageboom (+10–20%)

Ab 2028

  • Kein Steuerabzug mehr für Unterhalts- und Renovationskosten
  • Energetische Sanierungsabzüge auf Bundesebene gestrichen
  • Volle Kosten ohne steuerliche Entlastung
  • Kein Eigenmietwert mehr zu versteuern (jährl. Ersparnis ~CHF 2'000)
  • Voraussichtlich niedrigere Handwerker-Preise (Nachfragerückgang)

Der Renovierungsboom: +8.5% Wachstum und CHF 7.6 Mrd. Volumen

Die Immobilienberatungsfirma Wüest Partner hat die Auswirkungen modelliert — und die Zahlen sind eindrücklich: - +8.5% Renovierungsinvestitionen allein 2026 (normalerweise 2–3% Wachstum) - Für die gesamte Übergangsphase wird ein "sprunghafter Anstieg auf das Drei- bis Vierfache des bisherigen Wachstums" erwartet - handwerker.ch rechnet mit +14% bis +17% Wachstum in 2026 - Einfamilienhäuser werden am schnellsten reagieren (einfachere Entscheidungswege) Das Volumen ist gewaltig: Die Schweiz investiert jährlich rund CHF 7.6 Milliarden in Renovierungen — CHF 2.4 Mrd. bei Einfamilienhäusern, CHF 5.2 Mrd. bei Mehrfamilienhäusern. Ein Wachstum von 14–17% bedeutet über CHF 1 Milliarde zusätzliches Auftragsvolumen in einem einzigen Jahr. Die Sanierungswelle betrifft alle Gewerke: - Küchen- und Badmodernisierungen - Gebäudehüllensanierungen (Fassade, Dach, Fenster) - Heizungsersatz und HVAC-Erneuerungen - Innenausbau und Bodenbeläge - Aussenanlagen (Wege, Terrassen) Christian Brogli von Suissetec bestätigt: *"Ein Last-Minute-Boom zeichnet sich definitiv ab. Erste Firmen werben bereits damit, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Investitionen sei."* Fredy Hasenmaile, Chefökonom Raiffeisen: *"Wir sind ziemlich sicher, dass dieser Last-Minute-Boom kommen wird."* Das Problem: Nach 2028 folgt ein 2–3-jähriger Einbruch, wenn der Nachholeffekt vorbei ist. Bauenschweiz nennt diese Stop-and-go-Dynamik «kontraproduktiv» für die gesamte Branche.

Tipp für Baubetriebe: 42'778 Handwerker fehlen — und der Renovierungsboom hat noch nicht einmal begonnen. Wer 2027 volle Auftragsbücher will, muss jetzt rekrutieren, nicht erst bei Auftragseingang.

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Das Kapazitätsproblem: 42'778 fehlende Handwerker treffen auf Rekordbeschäftigung

Die Schweizer Bauwirtschaft beschäftigt laut BFS 378'547 Personen (Q3 2025) — ein Rekordwert. Trotzdem fehlen 42'778 Handwerker schweizweit (Blick/BFS), und über 20'000 Stellen im Baugewerbe bleiben unbesetzt.

Schweizer Baugewerbe: Schlüsselkennzahlen (2025/2026)
KennzahlWertQuelle
Beschäftigte Baugewerbe378'547 (Q3 2025)BFS BESTA
davon Ausbaugewerbe262'086 (69%)BFS BESTA
Offene Stellen Baugewerbe20'000+BFS 2025
Fehlende Handwerker total42'778Blick/BFS
KOF Geschäftslage Bau+39.81KOF BTS Jan. 2026
KOF Job Tracker (gesamt)128.79KOF Feb. 2026
Jährliches RenovationsvolumenCHF 7.6 Mrd.Wüest Partner
Prognose Wachstum 2026+8.5% bis +17%Wüest Partner / handwerker.ch
Schwarzarbeit-ZunahmeCHF 450–650 Mio./JahrProf. Schneider

Der KOF-Geschäftslageindikator für die Bauwirtschaft steht bei +39.81 (Januar 2026) — der mit Abstand höchste Wert aller Branchen. Zum Vergleich: Die Industrie liegt bei +6.13, der Detailhandel bei +3.74. Der UZH-Fachkräftemangel-Index 2025 bestätigt: Bauleiter und Produktionsleiter (Malerpoliere, Elektrotechniker) belegen Rang 2 aller Berufsgruppen. Elektromonteure und Kundendiensttechniker liegen auf Rang 4. Doch die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die strukturellen Probleme sind gravierender: - 30% der Bauarbeiter sind über 50 und gehen in den nächsten 10–15 Jahren in Rente - 50% aller Maurer verlassen die Baubranche im Laufe ihrer Karriere - 10% steigen innerhalb der ersten 5 Jahre nach der Lehre aus — dreimal so viel wie im Wirtschaftsdurchschnitt - Der SBV prognostiziert einen Mangel von 5'600 Fachkräften bis 2040 (16% des Bedarfs) - Rund ein Drittel der Maurer und Poliere wird bis 2040 fehlen Wenn jetzt zehntausende Eigenheimbesitzer gleichzeitig renovieren wollen, werden Handwerksbetriebe auf Monate hinaus ausgebucht sein. Die Engpässe sind besonders akut bei Heizung, Sanitär, Dach und Innenausbau — genau den Gewerken, die bei Renovierungen am meisten gefragt sind.

Es ist durchaus zu erwarten, dass gewisse Sanierungsarbeiten in den kommenden beiden Jahren vorgezogen werden. Die personellen Engpässe sind die grösste Herausforderung — nicht das Material. — Andreas Hartmann, Präsident Gewerbeverband St. Gallen

Preisexplosion und Wartezeiten: Was auf Eigenheimbesitzer zukommt

Die Baukosten in der Schweiz sind bereits 10–15% höher als vor der Pandemie — getrieben durch Materialpreise und Personalknappheit. Der Renovierungsboom wird die Preise weiter treiben. Was zu erwarten ist: - Wartezeiten von mehreren Monaten für Handwerker in gefragten Gewerken (Sanitär, Elektro, Dach) - Preisaufschläge von 15–20% in der Hochphase 2027 (Ofri-Schätzung) - Auftragsablehnungen: Betriebe können nicht alle Anfragen bedienen und werden selektiver - Qualitätsrisiken: Zeitdruck und Personalmangel könnten zu Kompromissen führen Das Ofri-Rechenbeispiel macht die Dynamik deutlich: Eine Küchenrenovation, die 2025 CHF 50'000 kostet, wird 2027 im Boom CHF 60'000 kosten (+20%). Trotzdem lohnt sie sich noch: Nach Steuerabzug zahlt die Familie effektiv CHF 45'000 (2027) statt CHF 48'000 (2029 ohne Abzug). Aber: Ab einem Preisaufschlag von über 15% dreht die Rechnung — dann ist Warten trotz Abzugsverlust günstiger. Die Entscheidungsschwelle aus Ofri-Analyse: - Grenzsteuersatz 25%: Preisaufschlag bis 15% → jetzt renovieren - Grenzsteuersatz 30%: Preisaufschlag bis 20% → jetzt renovieren - Grenzsteuersatz 35%+: Preisaufschlag bis 25% → jetzt renovieren Markus Meier, Direktor HEV Schweiz, warnt: *"Die Liefer- und Ausführungsverzögerungen werden sich verschärfen, wenn sie auf den bestehenden Fachkräftemangel treffen."* Für Eigenheimbesitzer heisst das: Wer 2026 noch einen Handwerker zu vernünftigen Preisen will, muss jetzt planen und Offerten einholen — nicht in sechs Monaten.

Schwarzarbeit: Das CHF-650-Millionen-Problem

Die Abschaffung des Eigenmietwerts hat eine Nebenwirkung, die in der politischen Debatte zu wenig Beachtung fand: Die Schattenwirtschaft im Bau wird zunehmen. Die Logik ist einfach: Heute brauchen Eigenheimbesitzer Rechnungen, um ihre Renovationskosten von den Steuern abzuziehen. Ab 2028 gibt es keinen Steuerabzug mehr — und damit keinen Grund mehr, auf einer Rechnung zu bestehen. Die «ohne Rechnung»-Variante wird attraktiver. Prof. Friedrich Schneider (Universität Linz), einer der führenden Schwarzarbeit-Forscher, schätzt die Zunahme auf CHF 450 bis 650 Millionen pro Jahr. Prof. Marius Brülhart (Universität Lausanne) bestätigt: *"Es steht ausser Zweifel, dass der Systemwechsel die Anreize für Schwarzarbeit erhöht."* Als Hauseigentümer erlebe er regelmässig, dass Handwerker einen günstigeren Preis «ohne Rechnung» anbieten. Silvia Fleury, Direktorin des SMGV (Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband), warnt vor «existenziellen Auswirkungen» auf seriöse Betriebe: *"Die Abschaffung öffnet der Schattenwirtschaft Tür und Tor."* Die Zahlen im Kontext: Die Schweizer Schattenwirtschaft liegt aktuell bei rund 6% des BIP — deutlich unter Frankreich/Deutschland (~12%) und Italien (~18%). Aber ein Anstieg um CHF 650 Mio. im Bausektor allein wäre signifikant. Das Bundesamt für Steuern (ESTV) hat in seinen Folgenabschätzungen die zusätzlichen Schwarzarbeit-Verluste nicht eingerechnet. Die offiziellen Steuerausfälle von CHF 1.8 Milliarden pro Jahr sind also wahrscheinlich noch unterschätzt.

Energetische Sanierung: Doppelte Schwächung der Klimaziele

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) identifiziert eine «doppelte Schwächung» der Gebäudesanierung: 1. Steuerabzüge für energetische Sanierungen fallen weg (Eigenmietwert-Reform) 2. Das Gebäudeprogramm soll gekürzt oder abgeschafft werden (Entlastungspaket 2027) Die Dimension: Über 900'000 Wohngebäude in der Schweiz heizen noch mit Öl, Gas oder Elektrik und müssen saniert werden. Der Gebäudesektor verursacht rund ein Drittel des Schweizer Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen. Das Gebäudeprogramm hat bisher jährlich CHF 300–528 Millionen an Subventionen ausgeschüttet und insgesamt 3.6 Milliarden CHF mobilisiert. swisscleantech warnt: Die Eigenmietwert-Abschaffung «gefährdet das Netto-Null-Ziel». Für das Baugewerbe bedeutet das: - Kurzfristig (2026–2027): Nachfrageexplosion auch bei energetischen Sanierungen — Wärmepumpen, Solaranlagen, Fassadendämmungen - Langfristig (ab 2028): Ohne Steueranreiz und ohne Gebäudeprogramm bricht die Nachfrage ein - Kantone können Ausnahmen für energetische Massnahmen beschliessen — aber das schafft einen Flickenteppich von 26 verschiedenen Regelungen Die SES bringt es auf den Punkt: *"Sanierungsstau heisst Energieverschwendung — vor allem im Winter, wenn die erneuerbare Energie in der Schweiz knapp ist."*

Was Baubetriebe jetzt tun müssen: Personal sichern für den Boom

Die Ausgangslage ist paradox: Die grösste Auftragswelle seit Jahrzehnten steht bevor — aber die Kapazitäten fehlen. Baubetriebe, die den Boom nutzen wollen, müssen jetzt handeln: 1. Rekrutierung intensivieren — sofort, nicht erst bei Auftragseingang Der SBV meldet zwar +10% mehr Lehrverträge 2024, aber neue Lehrlinge sind erst in 3–4 Jahren einsatzfähig. Wer 2026–2027 Kapazitäten braucht, muss erfahrene Fachkräfte gewinnen — per automatisiertem Recruiting über Social Media, nicht über Jobportale, die im Bau kaum funktionieren. 2. Grenzgänger und internationale Fachkräfte ansprechen Rund 25% der Baubeschäftigten sind bereits Grenzgänger oder ausländische Arbeitskräfte. Bei einem Boom steigt der Bedarf überproportional. Mehrsprachige Stellenausschreibungen und branchenspezifische Recruiting-Tools sind entscheidend. 3. Abwanderung stoppen Wenn 50% der Maurer die Branche verlassen, ist Retention mindestens so wichtig wie Neurekrutierung. Der neue LMV 2026–2031 bietet bessere Argumente: CHF 5'000+ Mindestlohn, Pensionierung mit 60, 5–6 Wochen Ferien. 4. Auftragsplanung und Preisgestaltung anpassen Betriebe, die ihre Kapazitäten kennen, können Aufträge selektiver annehmen und höhere Margen erzielen. Dafür brauchen sie Transparenz über den eigenen Personalbestand und die Pipeline. 5. Lehrlingsoffensive starten — für die Zeit nach dem Boom Der SBV-Masterplan Berufsbildung 2030 zeigt erste Erfolge. Aber ohne kontinuierliche Ausbildung droht nach dem Boom-Ende 2028 ein noch grösserer Personalengpass, wenn angeworbene Fachkräfte wieder abwandern. Die Chance ist real: Wer heute in Personal investiert, kann in den nächsten zwei Jahren Rekordmargen erzielen. Wer wartet, wird Aufträge ablehnen müssen — und sieht zu, wie die Konkurrenz mit vollen Auftragsbüchern wächst.

Methodik und Quellen

Primärdaten Baugewerbe: - BFS Beschäftigungsstatistik (BESTA): 378'547 Beschäftigte im Baugewerbe, Q3 2025 - KOF Konjunkturbarometer: 102.50 (Januar 2026) - KOF BTS Geschäftslageindikator Bau: +39.81 (Januar 2026) - KOF Job Tracker: 128.79 (Februar 2026, ~29% über 2020-Basis) - UZH Stellenmarktmonitor Fachkräftemangel-Index 2025: Bau auf Rang 2–4 Primärdaten Eigenmietwert: - Bundesrat/BKB: Abstimmung 28. September 2025, 57.7% Ja - Wüest Partner: +8.5% Renovierungswachstum 2026, 3–4x Normalniveau - Ofri: Rechenbeispiele Renovierungskosten vor/nach Reform - Raiffeisen: Eigenmietwert-Berechnungsmodelle und Ersterwerberabzug Sekundärquellen: - SBV (Schweizerischer Baumeisterverband): Fachkräftemangel-Studie, LMV 2026–2031 - SMGV (Maler- und Gipserunternehmer-Verband): Schwarzarbeit-Warnung - Suissetec (Gebäudetechnikverband): Last-Minute-Boom-Einschätzung - HEV Schweiz: Warnung vor Lieferverzögerungen - SES (Schweizerische Energie-Stiftung): Doppelte Schwächung der Klimaziele - swisscleantech: Netto-Null-Ziel-Gefährdung - Prof. Friedrich Schneider (Uni Linz): Schwarzarbeit-Schätzung CHF 450–650 Mio./Jahr - Prof. Marius Brülhart (Uni Lausanne): Schwarzarbeit-Anreize

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